Ein Resümee von Mike Michelus

In 30 Jahren wir-projekt-Geschichte, stellten die Menschen fest: ein eigenverantwortliches Leben in Selbstverwaltung kostet Zeit, Arbeit und Energie. Die Freiheit hatte seinen Preis. Auch wurde Manchem klar, ein guter Handwerker/Arbeiter ist nicht automatisch ein guter Unternehmer.

Und umgekehrt.
So blieben von den 15 eingemieteten und selbstverwalteten Betrieben des wir-projektes nur noch einer übrig. Doch nicht jeder Betrieb, jedes Unternehmen, ist deshalb gescheitert. Einige Menschen änderten ihre persönliche Lebensplanung, oder suchten neue Räumlichkeiten an anderen Orten.

Der jetzige gesellschaftliche Freiheitsbegriff orientiert sich an Meinungs-, Bewegungs- und Konsumfreiheit. Dem setzt das wir-projekt weiterhin einen größeren und ganzheitlichen Freiheitsbegriff entgegen. Einen Freiheitsbegriff, der Eigenverantwortung und Risiko beinhaltet, und den Menschen als Ganzes sieht.
Denn Freiheit ist Tatsache ... und kein Wunsch.

Von der wir-projekt Idee ist eine WG übriggeblieben. Eine zweite neue WG kam hinzu. Zur Zeit gibt es 17 seperate WG-Zimmer. Viele WG-Bewohner arbeiten inzwischen außerhalb des Projektes in, entgegen der Ursprungsidee, abhängiger Lohnarbeit. Die wir-WG ist durch die Vereinsstruktur weiterhin ihr eigener Vermieter, wodurch autonome Entwicklungs- und Entscheidungsmöglichkeiten machbar sind. Im weiteren Ausbau der WG könnte die Zukunft des wir-projektes liegen.

Eine professionell betriebene und ausgestattete Massivholz–Schreinerei, ist zur Zeit das einzige im wir-projekt eingemietete Unternehmen. Neben dem üblichen handwerklichen Angebot, bietet die Schreinerei eine eigene Design–Produktpalette  für Tische und andere Einrichtungsgegenstände an.

(www.der-echte-tisch.de)

Das wir-Tagungshaus wird weiterhin von den Vereinsmitgliedern ehrenamtlich betrieben.

Der Verein stellt zur Zeit drei kostenlose Räume für eigenverantwortliche, regionale  Jugendarbeit zur Verfügung.

Die größte Herausforderung des wir-projektes liegt im Generationswechsel.
Die „Nächsten“ werden den Erfahrungs-Pool des wir-projektes „abrufen“ und für sich nutzen können. Die Gründergeneration wird darin gefordert sein, dabei mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sich selbst zurückzunehmen und der nächsten Generation Freiraum zu überlassen.


Die „Neuen“ werden vieles falsch machen, und genau dafür gibt es im wir-projekt die Möglichkeit.

Die Stärken des wir-projektes liegen in der Selbstverwaltung und der finanziellen Autonomie. Die Unabhängigkeit von staatlichen oder sonstigen Zuschüßen schlägt sich jedoch auch in eine temporär angespannten Haushaltslage nieder.


Im wir-projekt ist, nichtsdestotrotz, Platz

... für Menschen, die den dort vorhandenen Freiraum weiterhin nutzen,

    besetzen, formen ...
... für Menschen, die Eigenverantwortung annehmen ...
... für Menschen, die lernen und gelerntes weitergeben ...
... für Menschen, die dabei auch scheitern dürfen.

Oder für Menschen, die ihr Leben einfach nur auf dem Land entschleunigen wollen.


Einer Gesellschaft, die den permanenten Sieger in allen Lebenslagen einfordert, macht das wir-projekt ein Angebot. Es heißt: wenn du dir sicher bist ... dann mache es!
Läuft es schief, ... ist auch das „Ergebnis“ und „Erfahrung“.

Einer kann fünf Fremdsprachen, der andere zaubert den besten Käsekuchen der Welt. Bäcker oder Master-Mind? Das herauszufinden bedarf es einen Ort, wo auch eine Niederlage ein selbstverständlicher Teil des Lebens ist. Und kein Stigma.

Dieser Ort muß real und ökonomisch grundgesichert sein.
Das wir-projekt bietet genau diesen.


Fazit:

Ein wichtiger Teil der Gründungsidee des wir-projektes hat es in das 21. Jahrhundert geschafft. Die nächste Generation wird darüber entscheiden, ob das Projekt weiterhin gebraucht wird. Auf alle Fälle bleibt... ein Verein... ein Haus. Und die Möglichkeit der weiteren Entwicklung.

Finanziell benötigt das Projekt zahlungskräftige Mieter und/oder Sponsoren ...
... sowie Menschen mit neuen oder alten Ideen.
Die räumliche Basis dafür steht.